Aller guten Dinge sind drei

Gänsegeier Gypsi soll wieder in die Lüfte entlassen werden 

Bisher war der rund 6 Jahre alte Gänsegeier Gypsi nicht vom Glück verfolgt: Im Sommer 2016 wurde er ausgehungert und verletzt in Thüringen nahe einer Windkraftanlage aufgefunden. Wahrscheinlich war der große Aasfresser mit Rotoren einer Windkraftanlage kollidiert. Rund ein Jahr lang verbrachte der Geier in einer Großvoliere.

Seine erste Auswilderung übernahm die Geierschutzinitiative „Gesi“, die ihn bis zum heutigen Tag begleitet.

Im August 2017 wurde er besendert und im Baden-Württembergischen Donautal in die Lüfte entlassen. Der solarbetriebene Sender ermöglichte es, seine Flugbewegungen genau zu verfolgen. Anfänglich zog es den Geier in Richtung Schweiz. Dort schloss er sich einer Geierpopulation an, die sich im Sommer in den Westalpen aufhält. Mitte September 2017 änderte Gypsi seine Flugroute. Es zog ihn wieder in Richtung Norden. Vorerst landete er in Baden-Württemberg. Einen Monat später ließ sich Gypsi von heftigen Herbststürmen rund 300 Kilometer nach Osten tragen. Aus unerklärlichen Gründen wurde er einige Zeit später entkräftet und mit nassem Gefieder von Mitarbeitern des Zoo Schmiding im oberösterreichischen Krenglbach eingefangen und versorgt.

Wenig später wurde er in den Zoo Salzburg gebracht. Nach einer kurzen Erholungszeit in einer Voliere wurde er mit den Salzburger Stammgeiern zum zweiten Mal in den Freiflug entlassen. Einige Zeit zog er mit den anderen seine Kreise über Salzburg. Im November machte er sich dann auf den Weg Richtung Süden. 

Anfang Dezember wurde Gypsi in Slowenien in geschwächtem Zustand aufgefunden. Nach wenigen Tagen in einer Pflegestation wurde er in die niederösterreichische Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS) gebracht. Der Verdacht einer Bleivergiftung hatte sich nach der Untersuchung an der Veterinärmedizinischen Universität Wien leider bestätigt. 

Durch angeschossene, tote Tiere, die von Jägern nicht gefunden werden, kommt Blei in die Nahrungskette und gelangt so in die Körper von Aasfresser.

Ein Jahr lang in Pflege

Ein ganzes Jahr verbrachte Gypsi nun in einer Großvoliere in der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee von Hans Frey, dem international renommierten Eulen- und Greifvogelexperten. Um das Blei aus seinem Körper zu bekommen, wurde er einer Chelat-Therapie unterzogen. Das ist eine spezielle Therapie, die das Schwermetall aus dem Körper herausschwemmt, bevor es sich in den Knochen ablagern kann.

„Gypsi ist nun soweit wieder gesund und fit, dass er heute erneut in die Lüfte entlassen werden konnte“, berichtet Zoo-Geschäftsführerin Sabine Grebner. Seine Flugbewegungen können mittels eines etwa 50 Gramm leichten Senders des Max-Planck-Instituts für Ornithologie genau verfolgt werden. 

Grebner weiter: „Wir alle hoffen, dass die mittlerweile dritte Freilassung von Gypsi erfolgreich ist. Wie uns seine bisherige Geschichte zeigt, ist das Überleben von Aasfressern leider nicht gesichert. Sollte ihm nochmals etwas zustoßen, können wir ihm - Dank des Senders -  rasch zur Seite stehen“. 

 

Zoo Salzburg, 17. Jänner 2019

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